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Paranoia auf offener Bühne: Wie sich Saskia Esken im ORF in Wiederbetätigung übt!

Kommentar von Dennis Riehle

Der schiefe Turm von Pisa bestätigt in regelmäßigen Abständen, dass es um die Bildung in Deutschland nicht allzu gut bestellt ist. Und das wundert auch nicht angesichts von Lehrplänen, in der nicht mehr über die Natürlichkeit der Binarität gesprochen wird, sondern um den beliebigen Geschlechterwechsel jedes Jahr. Man erhält als strebsames Bürschchen im Mathematikunterricht eine Eins mit Sternchen, wenn zwischen 15.000 und 20.000 Euro ein Zuwachs von 25 Prozent liegen. Im Fach Deutsch erlangen die Schüler die Kenntnis, dass es im Zweifel egal ist, ob Sternchen, Doppelpunkt oder Unterstrich – Hauptsache, Ens fühlt sich angesprochen. In Erdkunde berichtet der Pädagoge von fernen Ländern in mehreren 100.000 Kilometern Entfernung. Und in der dritten Stunde Physik wird die wetterentscheidende Bedeutung des CO2 für die Partikeldichte in unserer Atmosphäre besprochen. Ganz besonders düster scheint es aber um die Vermittlung geschichtlicher Zusammenhänge bestellt. Immerhin könnte man dort mit der Einsicht entsprechende Bekanntschaft machen, wonach zwischen Björn Höcke und Joseph Goebbels nur ein schmaler Grat liegt. Und so hat offenbar auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken ihren Abschluss mit der Behauptung bestanden, dass in der AfD alle Nazis sind. Ihr Auftritt in der österreichischen Nachrichtensendung „Zeit im Bild 2“ hat sogar dem dortigen Anchor, der wirklich nicht für seine wertkonservative Haltung bekannt ist, kurzzeitig die Sprache verschlagen.

In einer Inbrunst der Selbstverständlichkeit konnte sie Narrative verbreiten, die durchaus das Potenzial besitzen, sich in der Alpenrepublik mit dem strafrechtlichen Vorwurf der sogenannten Wiederbetätigung konfrontiert zu sehen. Denn die Relativierung des dunkelsten Kapitels unserer Vergangenheit ist nicht nur moralisch schändlich, sondern sie zeugt im Zweifel von einer völlig verrohten, böswilligen und arglistigen Manier. Immerhin sollte man derart skandalöse Entgleisungen nicht mit fehlendem Wissen entschuldigen. Schließlich gab es auch keinen Moment des Zögerns, als die Sozialdemokratin öffentlich über Parallelen schwadronierte, welche gerade den noch lebenden Zeitzeugen von damals eigentlich sauer aufstoßen müssten. Die Singularität der Ereignisse vor und nach 1933 verbieten jegliche Form der Gleichsetzung. Und so war es nicht nur ein Ausdruck des Überschreitens von gutem Geschmack, als sich die Stuttgarterin ohne jegliches Zaudern in einer bisweilen von Verachtung zerfressenen Tirade gebärdete. Viel eher offenbarte sie, welches Geistes Kind sie ist. Demagogische Perfidität und intellektueller Tiefflug gehen bei ihr offenbar gemeinsam einher. Anders kann man sich solche Szenen nicht erklären, die selbst für eingefleischte Globalisten und Multikulturalisten mit einem Restbestand an Verstand nur schwer verdaulich sind. Letztlich hat der Auftritt aber auch etwas Gutes, denn er entlarvt eine offensichtliche Paranoia, die allerdings nicht von einer Haftung für Skrupellosigkeit, Dreistigkeit und Hetze entbindet.

Wer sich in seinem Vokabular auf solch plumpe wie peinliche Weise vergreift und den letzten Funken sittlichen Anstandes preisgibt, muss im Zweifel mit einer Quittung auch derjenigen rechnen, die sich prinzipiell links verorten – deren Gewissen aber noch nicht hirntot ist. Denn es gibt keine einzige programmatische Aussage oder persönliche Einlassung aus den Reihen der AfD, die auch nur im Ansatz erlauben würde, sie auf eine Stufe mit dem zu stellen, von dem wir zu Recht immer wieder betonen, dass es nie wieder geschehen darf. Die völlig unterschiedlichen Konstellationen zum Ende der Weimarer Republik einerseits und den Verhältnissen im Jahr 2024 andererseits lassen selbst in den kühnsten Träumen von Antifaschisten keine Analogie zu. Einmal abgesehen von der Dehumanisierung im Holocaust, die beispiellos war und bleiben wird, befinden wir uns weder in einer Depression, die in einem Volk nach dem Ersten Weltkrieg aus Verbitterung über die ökonomischen, sozialen und politischen Zustände eine Rachsucht hervorrief – noch in einer Situation, in der wir aus bloßen Vorurteilen und ethnischem Hass nach Sündenböcken außerhalb des Elfenbeinturms suchen müssten. Die Gründungsväter unserer Verfassung haben gerade aus den Entwicklungen dieses historischen Gräuels gelernt – und unsere heutige Ordnung mit unterschiedlichen Mechanismen ausgestattet, die den Durchmarsch einer einzelnen Partei in sämtliche exekutive Funktionen nicht erlauben würde.

Zudem ist unsere jetzige Demokratie entsprechend schwingungsfähig und beweist immer wieder neu, dass sie sich auch deshalb von alleine regulieren kann, weil wir das Spiel der freien Kräfte erlauben – und zumindest bis vor einiger Zeit auch noch eine kritische Opposition zuließen, die in unserer Herrschaftsform als Garant für eine allzu große legislative Vereinnahmung galt. Die AfD steht mit ihrer Forderung nach Remigration auf dem Boden unseres Grundgesetzes, weil sie lediglich die Abschiebung derjenigen fordert, deren Asylgesuch endgültig negativ beschieden wurde, die keine Aufenthaltsberechtigung mehr besitzen, ihre Identität verschleiern, illegal eingewandert und integrationsunwillig sind oder fanatisiert oder kriminell auftreten. Sie vertritt eine Ideologie, welche man durchaus als völkisch bezeichnen könnte – die allerdings entgegen der Auffassung von Herrn Haldenwang schon allein deshalb nichts Anrüchiges hat, weil sie nicht nur als zulässig in Art. 116 GG verbrieft, sondern auch positiv konnotiert ist. Denn es geht um die Hinwendung zur eigenen Heimat, ohne aber gleichzeitig pauschal und allein aus Gründen der Herkunft das Fremde abzulehnen, auszugrenzen oder gar zu verfolgen. Und im Gegensatz zur Ampel möchte die Alternative für Deutschland das repräsentative System auch nicht in ein totalitäres Fahrwasser manövrieren, sondern es wieder vom Kopf auf die Füße stellen – und in Richtung plebiszitärer Zustände weiterentwickeln. Daher wird man vielleicht auch im Willy-Brandt-Haus momentan darüber sinnieren, ob die Chefin dieses Mal nicht einen Schritt zu weit gegangen ist. Für derartige Umtriebe gibt es keine Rechtfertigung. Sie stehen für sich – und sollten von jedem Bürger mit Ethos entsprechend goutiert werden.

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