Quelle: Clipdealer.de, B314776320. Erworbene Standardlizenz.

Wer sich in eine ideologische Segregation begibt, kann keine Vorurteilsfreiheit erwarten!

Kommentar von Dennis Riehle

Mittlerweile gibt es in Deutschland so viele Gedenktage wie Meldestellen gegen Hass und Hetze. Und so erinnert man sich mittlerweile jedes Jahr im Mai nahezu theatralisch daran, unter welch arglistiger Diskriminierung Menschen der LGBTIQ-Bewegung auch im 21. Jahrhundert leiden müssen. Was einst noch als Mahnung gedacht war, Homophobie zu verurteilen, entpuppt sich mittlerweile als Schaulaufen um den schönsten Regenbogen. Man hisst ihn als Fahne auf dem Reichstag oder vor den Polizeidienststellen, nutzt ihn als Bundestagsvizepräsidentin zum Zufächern kühler Luft in Zeiten der schlimmsten Erderhitzung seit dem Urknall – und packt ihn als Emoji lieber dreimal statt einmal in sein Social-Media-Profil. Tatsächlich gab es über eine lange Zeit hinweg durchaus Bedarf, darauf aufmerksam zu machen, dass es für Schwule und Lesben nicht immer einfach ist, zur sexuellen Orientierung zu stehen. Doch damals gab es noch keine Queerness, die ihre politische Agenda in den Exzess trieb – und einer Gesellschaft Toleranz für etwas verordnen wollte, was sich außerhalb von natürlichen Gegebenheiten abspielt. Denn während die Liebespräferenz für das eigene Geschlecht als eine vollkommen selbstverständliche Ausprägung der verschiedenen Facetten des Hingezogenseins heutzutage in weiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert wird, ist die aus dem Genderismus hervorgegangene Selbstbestimmungspropaganda ein bloßer Ausdruck des Anspruchsdenkens von desorientierten, sinnsuchenden und beliebigkeitsvernarrten Mitbürgern, die oftmals erst im fortgeschrittenen Alter ihre wahre Bestimmung als Blumenkohl, Eichhörnchen oder Schreibtischlampe entdecken.

Diesen Menschen ging es offenbar in den zurückliegenden Dekaden zu gut. Denn sie wurden nicht selten bis zur Unkenntlichkeit gepampert – und in dem Glauben erzogen, sich niemals festlegen zu müssen, wenn dies den Befindlichkeiten entgegenstehen sollte. Sie fordern für sich eine grenzenlose Freiheit der Verwirklichung und Entfaltung ein – und binden der Allgemeinheit dabei ihre bisweilen obszön, skurril und abstoßend wirkende Sittenlosigkeit auf die Nase. Sie wollen bewusst provozieren und konfrontieren – und haben es nicht darauf abgesehen, sich in die Realität zu integrieren. Sie bewegen sich in der Szene und in Communitys, schaffen sich damit ihre Parallelwelt und sondern sich vom Rest der Zivilisation ab. Gleichzeitig erwarten sie weniger Berührungsängste und Ressentiments – und eröffnen damit einen Widerspruch, welcher es nur allzu nachvollziehbar macht, dass sie mit ihrer demonstrativen Zurschaustellung ihrer Privatangelegenheiten auf immer mehr Ablehnung, Misstrauen und Argwohn treffen. Für mich ist es als schwuler Mann einigermaßen enttäuschend und befremdlich, dass die Errungenschaften aus Jahrzehnten mit dieser Form der Vereinnahmung all derjenigen Homosexuellen, die – wie auch ich – auf dem Reichstag lieber die Nationalflagge wehen sehen möchten, praktisch zunichte gemacht werden. Denn ich habe kein Nachsehen dafür, dass sich Personen auf ihrer unendlichen Reise über den Ozean der Vielfalt nicht irgendwann einmal zum Ankersetzen in einem Hafen der Kongruenz aufmachen – sondern einem Miteinander stetig neu ein Verständnis abnötigen wollen, sich jedweder Verbindlichkeit, Konformität und Eindeutigkeit entziehen zu können. Man kann letztlich keinen Seelenfrieden finden, wenn man auf ständige Unrast und Wandel abzielt – und das Geschlecht nicht nur jährlich im Personalausweis wechselt, sondern bei Bedarf auch stündlich.

Die Erhöhung einer Weltanschauung zum religiösen Götzen muss in einer von Werten, Normen und Prinzipien getragenen Sozietät zwangsläufig auf Widerspruch und Rückweisung stoßen. Denn eine Transidentität (also nicht die nur allzu selten vorkommende Transsexualität), welche allein auf immanenten Gefühlen des Einzelnen beruht und weder biologisch noch medizinisch objektivierbar ist, muss sich als ein Affront gegen jede Regelhaftigkeit eines Kollektivs herausstellen. Und dass man mit dem Outing als Chamäleon innerhalb einer Gruppe Probleme hat, die nicht bei jedem Aufeinandertreffen mit einem Gegenüber zunächst einmal in Erfahrung bringen möchte, welche Ansprache denn aktuell genehm erscheint, kann nicht wirklich überraschen. Als ich mich vor ungefähr 20 Jahren zu meiner homosexuellen Veranlagung bekannte, war das kein Event, über das man den Rest der Welt hätte in Kenntnis setzen müssen. Und auch heute ist sie kein Gesprächsgegenstand in der ersten Begegnung mit einem noch Unbekannten, bei dem ich mich beim Kennenlernen zunächst einmal über völlig andere Dinge erkundige als die Frage zu stellen, mit wem er denn die Nacht im Bett verbringt. Immerhin definiere ich mich in erster Linie als Mensch. So habe ich es seit jeher gehandhabt. Und deshalb dränge ich niemandem meine Begierde für Männer auf – sondern suche ganz andere Äquivalente, wenn es darum gehen sollte, inwieweit eine Freundschaft auf einem tragfähigen Fundament steht. Vielleicht habe ich gerade deshalb in meinem Leben noch keine einzige Stigmatisierung, Anfeindung oder Ausgrenzung erfahren. Denn ich bin mir im Klaren darüber, dass ich einer Minderheit angehöre, die sich für ihre Persönlichkeitsmerkmale nicht schämen muss – und weder mehr noch weniger Pflichten und Rechte als die Mehrheit hat. Und ich verstehe mich als einen ebenbürtigen Teil unserer Gemeinschaft, in der auch die Heteros kein Schild um den Hals tragen.

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