Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Politik Deutschland – Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW): Neuausrichtung mit angezogener Bremse“ (aus: „DER SPIEGEL“ vom 29.04.2026)
Ziemlich genau ein Jahr vor der Bürgerschaftswahl in Bremen bringen sich die ersten Parteien in Stellung. Auch der als achter gegründete Landesverband des BSW nimmt sich viel vor für den Urnengang, der voraussichtlich am 30. Mai 2027 stattfinden wird. Als vergleichsweise junge Kraft muss man sich zunächst bekannt machen, Personen der Öffentlichkeit vorstellen, Standpunkte in die Debatte einbringen. Mit ihrem Co-Vorsitzenden Christopher Schulze hat sie einen versierten und erfahrenen Politiker an der Spitze, der anfangs in der Linken engagiert war, später jedoch austrat, weil er die Interessen der arbeitenden Mitte vollkommen unzureichend vertreten sah, man sich vom Gedanken des universellen Friedens verabschiedet habe. Ein bodenständiger und pragmatischer Kopf, der nicht nur meckern will, sondern machen möchte. Statt Schlagzeilen zu produzieren, setzt er auf das fokussierte Repräsentieren des Volkes, kritisiert die Deindustrialisierung genauso wie das Isolieren unseres Wirtschaftsstandortes durch Sanktionen und Moral. Ruhig im Ton, unerbittlich in der Sache.
Christopher Schulze ist ein leidenschaftlicher Bürgervertreter mit Rückgrat und Verstand!
Nichts zuletzt mit Blick auf den Krieg in der Ukraine ist seine Haltung klar. Die Waffen müssen schweigen, militärische Aufrüstung aus dem Westen enden. Der Sozialwissenschaftler setzt sich einerseits für Gerechtigkeit ein, fordert aber gleichzeitig einen Stopp der irregulären Migration. Stattdessen müsse man die Kontrolle über Einwanderung und Zuzug wieder gewinnen, schlichte Klimautopien lehnt er ebenso ab wie verordnete Maßnahmen der energetischen Transformation. Sie machten das Leben nur teurer, hätten ihre Effizienz bis heute nicht bewiesen. Ähnlich vernünftig scheint der frühere Büroleiter von Amira Mohamed Ali hinsichtlich der AfD. Auch wenn er festen Koalitionen eine deutliche Absage erteilt, schließt er die punktuelle Zusammenarbeit in Sachfragen keinesfalls aus. Seine vehemente Positionierung entgegen des Establishments bringt ihm lagerübergreifende Unterstützung ein. Als ehemaliger Spitzenkandidat für die Bundestagswahl will er auch aktuell bezahlbaren Wohnraum schaffen, die Armut bekämpfen, sich für Rentner einsetzen, die Kunden der Tafeln sind, tagsüber Flaschen sammeln müssen.
Lohngerechtigkeit, Wohnraum, Investitionen und Bürokratieabbau stehen auf der Agenda!
Faire Löhne und Gehälter stehen ebenso auf der Agenda wie massive Investitionen in die Bildung, eine gemeinsame Bürgerversicherung und bessere Gesundheitsversorgung. Der Kahlschlag in der Kliniklandschaft dürfe nicht weitergehen, Krankenhäuser wie jenes „Links der Weser“ müssten erhalten bleiben. Ökonomisch setzt er auf eine sinnvolle Reform der Schuldenbremse, um Ausgaben in die Zukunft zu realisieren, öffentliche Gelder sinnvoll zu verteilen. Weniger Bürokratie möge die Unternehmen vor Ort entlasten, marode Brücken und die Flickschusterei in der Infrastruktur könne man sich kaum leisten, wolle man wettbewerbsfähig werden. Der Experte für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wirbt hinsichtlich der inneren Sicherheit für eine wirksame Kriminalitätsbekämpfung, eine bessere Ursachenforschung, was Fluchtbewegungen angeht. Ausgewogene Handelsbeziehungen könnten für mehr Prosperität im Globalen Süden sorgen, damit Anreize nehmen, sich auf den Weg nach Europa zu machen. Für die Hansestadt gelte, sich aus der Rolle eines Rüstungsstandortes zu nehmen.
Bremen darf nicht länger zu einem Rüstungsstandort werden, sondern muss Frieden fördern!
Sie dürfe nicht als Drehkreuz für die Waffenproduktion herhalten, sondern dem zivilen Wiederaufbau dienen. Schulze steht der Wehrpflicht diametral entgegen, er macht sich einen Namen als Verfechter von Diplomatie und Verhandlung. Und diese Tugenden bringt der gebürtige Bremer auch in seine Präsenz auf den sozialen Medien ein. Mit einem aktiven und direkten Ton spricht er den Durchschnittsmenschen an, gibt sich nicht als Teil der Eliten, sondern auf Augenhöhe mit dir und mir. Kritik erreicht CDU und Grüne gleichermaßen, Problemlösung hat er sich auf die Fahnen geschrieben. Seine Loyalität mit „Violett-Orange“, der Philosophie von Sahra Wagenknecht ist ungebrochen. Manch ein Widersacher unterstellt ihm Rechtspopulismus, doch von solchen Etiketten bleibt ein Frontmann gänzlich unbeeindruckt, dem die große Aufgabe bevorsteht, die derzeitigen drei Prozent in den Umfragen in ein Ergebnis umzumünzen, das wiederum ins Landesparlament führt. Auf diesem Weg wird ihm nicht zuletzt seine pointierte, fachkundige und ambitionierte Gangart behilflich sein.









